DGB 3: Anwendungen von Technik in Umwelt und Gesellschaft

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Die folgenden Lernziele fokussieren das Beschreiben technischer Anwendungen, das Einordnen ihrer Bedeutung für unterschiedliche Gruppen sowie das Erkennen von Folgen, Zielkonflikten und kulturellen Unterschieden im Alltag, in der Umwelt und in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Lernziele Die Schülerinnen und Schüler können:

1.1 Lernziele

  • technische Anwendungen in Umwelt und Gesellschaft an Beispielen beschreiben.
  • Nutzen und Risiken für verschiedene gesellschaftliche Gruppen erklären.
  • kulturelle Kontexte bei der Nutzung von Technik berücksichtigen.
  • Wechselwirkungen zwischen Technik, Umwelt, Wirtschaft und Alltag benennen.
  • Chancen, Grenzen und Zielkonflikte reflektieren.
  • eigene Beispiele aus Lebenswelt, Schule und Region einordnen.

1.2 Lerninhalte

Die Lerninhalte verbinden technische Grundlagen mit alltagsnahen, gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen, sodass technische Entwicklungen nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer in Beziehung zu Menschen, Lebensräumen, Interessen und kulturellen Rahmenbedingungen verstanden werden.

Mobilität und Energie

An Mobilität und Energie lässt sich besonders gut erkennen, wie technische Innovationen Umweltbelastungen verringern können, zugleich aber neue Anforderungen an Infrastruktur, Rohstoffe, Konsumverhalten und politische Entscheidungen in Stadt, Land und unterschiedlichen Lebenswelten erzeugen. Technische Anwendungen im Verkehr reichen von Elektroautos über E-Busse bis zu Fahrrad- Apps, Ladeinfrastruktur und intelligenten Verkehrsleitsystemen. Elektrofahrzeuge verursachen im Betrieb weniger lokale Abgase als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, was besonders in Städten mit hoher Luftbelastung relevant ist. Gleichzeitig steigt der Strombedarf, und es werden Batterien benötigt, für deren Herstellung Rohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt gebraucht werden. Dadurch zeigt sich eine klare Wechselwirkung zwischen umweltfreundlicher Nutzung vor Ort und globalen Folgen der Produktion. Smart Grids, also intelligente Stromnetze, helfen dabei, erneuerbare Energie besser zu verteilen. Wenn viele Haushalte Solarstrom erzeugen oder E-Autos laden, muss das Netz Lasten ausgleichen. Technik wirkt hier auf Umwelt und Gesellschaft zugleich: Sie kann Energie effizienter nutzbar machen, verlangt aber Investitionen, technische Kompetenzen und politische Planung. In wohlhabenden Regionen ist der Umstieg oft leichter als in Gegenden mit

schwacher Infrastruktur. Auch kulturelle Kontexte spielen eine Rolle. In ländlichen Regionen ist das Auto oft unverzichtbar, während in Großstädten öffentlicher Verkehr, Carsharing oder Radverkehr stärker ausgebaut sind. Technik wird also nicht überall gleich genutzt, sondern hängt von Lebensstil, Einkommen, Raumplanung und Gewohnheiten ab. Beispiele: E-Auto, Ladepark, Smart Grid, E-Bus Gruppen: Pendler, Familien, Gemeinden, Betriebe Wechselwirkungen: Strombedarf, Rohstoffabbau, Lärmreduktion, Flächenverbrauch

Gesundheit und Pflege

Gesundheitstechnologien zeigen besonders anschaulich, wie Technik Versorgung verbessern, Distanzen überbrücken und Selbstständigkeit stärken kann, während gleichzeitig Fragen zu Datenschutz, Zugangsgerechtigkeit, Vertrauen und unterschiedlichen Vorstellungen von Betreuung und Fürsorge entstehen. Telemedizin ermöglicht Beratungen per Video, digitale Übermittlung von Befunden und Fernüberwachung chronischer Erkrankungen. Für Menschen in ländlichen Gebieten, für ältere Personen oder für Familien ohne nahe Facharztpraxis kann das eine große Erleichterung sein. Wearables wie Smartwatches messen Puls, Schlaf oder Bewegung und geben Hinweise auf Gesundheitsdaten. Pflegeeinrichtungen nutzen teilweise Sensoren, Notrufsysteme oder digitale Medikamentenpläne. Die Wechselwirkungen sind vielfältig: Einerseits verbessert Technik die Erreichbarkeit medizinischer Leistungen, andererseits werden persönliche Daten gesammelt, gespeichert und ausgewertet. Es entsteht eine Verbindung zwischen Gesundheit, Technik, Datenschutz und wirtschaftlichen Interessen. Wer keinen sicheren Internetzugang oder geringe digitale Kompetenzen hat, kann von solchen Angeboten ausgeschlossen werden. Kulturelle Unterschiede zeigen sich etwa darin, wie offen Menschen digitale Diagnosen akzeptieren. Manche vertrauen stark auf persönliche Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten, andere schätzen schnelle digitale Lösungen. Auch Vorstellungen von Pflege innerhalb der Familie unterscheiden sich und beeinflussen, welche Technik angenommen wird. Beispiele: Telemedizin, Fitnessband, Pflegeapp, Notrufsensor Gruppen: Patienten, Ärzteteams, Pflegekräfte, Angehörige Wechselwirkungen: Zeitersparnis, Datenrisiko, Zugangsbarrieren, Versorgungsqualität

Landwirtschaft und Ernährung

Landwirtschaftliche Technologien machen sichtbar, wie digitale Systeme Erträge steigern, Ressourcen sparen und Umweltbelastungen senken können, während zugleich traditionelle Arbeitsweisen, Besitzverhältnisse, regionale Märkte und globale Lieferketten neu beeinflusst werden. In der Präzisionslandwirtschaft werden Drohnen, Bodensensoren, Wetterdaten und GPS- gesteuerte Maschinen eingesetzt. Dadurch können Felder gezielter bewässert, gedüngt oder auf Schädlingsbefall überprüft werden. Landwirtinnen und Landwirte erhalten genauere Daten

und können Entscheidungen effizienter treffen. Das spart Wasser, Dünger und Arbeitszeit. Technik verändert jedoch nicht nur die Produktion, sondern auch das soziale Gefüge. Größere Betriebe können teure Systeme oft leichter finanzieren als kleine Höfe. Dadurch kann sich wirtschaftliche Ungleichheit verstärken. Gleichzeitig entstehen neue Berufe im Bereich Datenanalyse, Agrartechnik und digitaler Wartung. Traditionelle Erfahrungen bleiben wichtig, werden aber zunehmend mit digitalen Messwerten kombiniert. Kulturelle Kontexte werden sichtbar, wenn man regionale Landwirtschaft mit industrieller Massenproduktion vergleicht. In manchen Regionen hat nachhaltige, kleinräumige Bewirtschaftung einen hohen Stellenwert, während anderswo maximale Effizienz und Exportfähigkeit stärker gewichtet werden. Technik wird daher je nach Wertesystem unterschiedlich bewertet. Beispiele: Drohne, Bodensensor, GPS-Traktor, Wetterapp Gruppen: Landwirte, Konsumenten, Händler, Gemeinden Wechselwirkungen: Ertragssteigerung, Wassersparen, Kostenanstieg, Strukturwandel

Bildung und Arbeit

Digitale Werkzeuge in Bildung und Arbeit verdeutlichen, wie Technik Wissen zugänglich, Zusammenarbeit flexibel und Produktion effizient machen kann, zugleich aber neue Anforderungen an Kompetenzen, Ausstattung, Motivation und soziale Teilhabe hervorbringt. Lernplattformen, Videokonferenzen, Übersetzungsprogramme, kollaborative Dokumente und Lernapps erweitern schulische und berufliche Möglichkeiten. Schülerinnen und Schüler können von zu Hause lernen, Materialien wiederholen und sich weltweit informieren. In Unternehmen ermöglichen digitale Systeme Homeoffice, automatisierte Abläufe und internationale Zusammenarbeit. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Nicht alle Lernenden verfügen über ruhige Lernorte, gute Geräte oder stabiles Internet. Auch im Berufsleben profitieren manche Beschäftigte von Automatisierung, während andere Tätigkeiten wegfallen oder sich stark verändern. Technik beeinflusst also Chancen am Arbeitsmarkt, Bildungszugänge und Anforderungen an lebenslanges Lernen. Kulturelle Unterschiede werden sichtbar, wenn man Erwartungen an Schule und Arbeit betrachtet. In manchen Kontexten gelten digitale Medien als Fortschritt und Flexibilität, in anderen wird persönlicher Kontakt höher geschätzt. Technik verändert nicht nur Methoden, sondern auch Vorstellungen von Leistung, Anwesenheit und Zusammenarbeit. Beispiele: Lernplattform, Cloud-Dokument, Übersetzer, Industrieroboter Gruppen: Lernende, Lehrkräfte, Angestellte, Betriebe Wechselwirkungen: Flexibilität, Automatisierung, Ungleichheit, Qualifikationsdruck

Kommunikation, Öffentlichkeit und Politik

Digitale Kommunikation beeinflusst Meinungsbildung, Teilhabe und gesellschaftliche Debatten besonders stark, weil technische Plattformen Informationen schnell verbreiten, Menschen vernetzen und zugleich Manipulation, Polarisierung und neue Machtverhältnisse fördern

können. Soziale Netzwerke, Messenger, Kommentarspalten und Videoportale ermöglichen es, politische Anliegen sichtbar zu machen, Spenden zu sammeln oder Proteste zu organisieren. Umweltbewegungen, Hilfsaktionen oder lokale Bürgerinitiativen nutzen digitale Kanäle, um Öffentlichkeit herzustellen. Auch Behörden und Gemeinden informieren digital über Projekte, Wahlen oder Krisensituationen. Die Wechselwirkungen sind ambivalent. Technik erleichtert Teilhabe, kann aber auch Falschinformationen, Hassrede oder Filterblasen verstärken. Algorithmen entscheiden mit, welche Inhalte sichtbar werden. Dadurch beeinflussen technische Systeme politische Kommunikation und gesellschaftliche Macht. Wer eine Plattform kontrolliert, beeinflusst indirekt auch Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Kulturelle Kontexte sind wichtig, weil Meinungsfreiheit, Medienvertrauen und politische Beteiligung weltweit unterschiedlich erlebt werden. In demokratischen Gesellschaften können digitale Räume Beteiligung fördern, in autoritären Systemen aber auch Überwachung und Kontrolle erleichtern. Beispiele: Social Media, Messenger, Petition, Bürgerplattform Gruppen: Jugendliche, Aktivisten, Behörden, Parteien Wechselwirkungen: Reichweite, Manipulation, Beteiligung, Überwachung

Umweltmonitoring und Katastrophenschutz

Beim Umweltmonitoring und Katastrophenschutz zeigt Technik ihren Nutzen besonders deutlich, weil Messsysteme, Vorhersagen und Warnungen Leben schützen können, gleichzeitig aber von Datenqualität, Infrastruktur, Finanzierung und verantwortungsbewusster Nutzung abhängen. Sensoren messen Luftqualität, Wasserstände, Temperatur, Lärm oder Feinstaub. Satellitenbilder helfen bei der Beobachtung von Waldbränden, Überschwemmungen oder Gletscherschmelze. Frühwarnsysteme senden Warnungen auf Mobiltelefone, Sirenen oder Apps. Müllsortieranlagen nutzen optische Sensoren und automatische Erkennung, um Recycling zu verbessern. Hier wird die Wechselwirkung zwischen Technik und Umwelt direkt sichtbar: Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen, etwa bei Hochwasserschutz, Verkehrsplanung oder Energieeinsparung. Gleichzeitig kostet Technik Ressourcen und muss gewartet werden. Fehlende Messstationen oder ungleicher Zugang zu Warnsystemen können besonders benachteiligte Gruppen stärker gefährden. Kulturelle und soziale Faktoren beeinflussen auch hier die Wirkung. Warnungen funktionieren nur dann gut, wenn Menschen ihnen vertrauen, sie verstehen und angemessen handeln können. Sprache, Bildung, Mediennutzung und lokale Erfahrungen prägen daher den Erfolg technischer Schutzsysteme. Beispiele: Wettersensor, Warnapp, Satellitenbild, Sortieranlage Gruppen: Anwohner, Einsatzkräfte, Gemeinden, Umweltstellen Wechselwirkungen: Früherkennung, Ressourceneinsatz, Datengenauigkeit, Sicherheit

Zentrale Querverbindungen

Die verschiedenen Beispiele machen deutlich, dass Technik nie nur ein Werkzeug ist, sondern immer auch Werte, Interessen, Macht, Gewohnheiten und Umweltfolgen berührt, weshalb technische Entwicklungen fachübergreifend und aus mehreren Perspektiven betrachtet werden sollten. Zwischen allen Anwendungsfeldern bestehen Verbindungen. Eine App für Mobilität braucht Daten, Energie und Geräte. Telemedizin benötigt Netze, Vertrauen und Datenschutz. Digitale Landwirtschaft beeinflusst Umwelt, Wirtschaft und Ernährung. Politische Kommunikation hängt von Plattformen, Algorithmen und Medienkompetenz ab. Daraus ergibt sich ein übergreifender Blick auf Technik als Teil gesellschaftlicher Systeme. Für den Unterricht ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur Funktionen kennenlernen, sondern immer auch fragen: Wem nützt die Technik? Wer trägt Kosten? Wer wird ausgeschlossen? Welche Umweltfolgen entstehen? Welche kulturellen Werte prägen die Nutzung? Erst dadurch wird aus einem technischen Beispiel ein interdisziplinäres Lernfeld. Leitfragen: Wer profitiert, wer verliert, was verändert sich, welche Folgen entstehen Perspektiven: Technik, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Alltag Kompetenzen: beschreiben, vergleichen, einordnen, reflektieren, bewerten

1.4 Aufgaben für den Unterricht

1.4.1 Fallbeispiele vergleichen

Mehrere lebensnahe Fallbeispiele ermöglichen eine strukturierte Auseinandersetzung mit Technik im Alltag und unterstützen die Lernenden dabei, Nutzen, Risiken und

Wechselwirkungen anhand klarer Vergleichskriterien eigenständig herauszuarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler erhalten vier kurze Fallbeispiele, etwa zu Elektroautos, Telemedizin, Präzisionslandwirtschaft und Social-Media-Kampagnen für Umweltanliegen. In Kleingruppen bearbeiten sie zu jedem Beispiel dieselben Leitfragen: Welche Technik wird genutzt? Welches Problem soll gelöst werden? Wer profitiert davon? Wer könnte benachteiligt werden? Welche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sind erkennbar? Welche kulturellen oder regionalen Unterschiede spielen eine Rolle? Anschließend übertragen die Gruppen ihre Ergebnisse in eine Vergleichsmatrix und präsentieren ein Beispiel im Plenum. Im gemeinsamen Gespräch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar, etwa zwischen Stadt und Land, jungen und älteren Menschen, wohlhabenden und finanziell benachteiligten Gruppen oder zwischen technisch gut ausgestatteten und schlechter versorgten Regionen. Die Aufgabe führt zu einem hohen Lernertrag, weil sie Vergleich, Strukturierung, Transfer und Perspektivenübernahme miteinander verbindet. Sozialform: Gruppenarbeit, Plenum Material: Fallkarten, Matrix, Leitfragen Kompetenzen: beschreiben, vergleichen, einordnen, reflektieren Produkte: Übersicht, Kurzvortrag

1.4.2 Rollenperspektiven diskutieren

Unterschiedliche gesellschaftliche Interessen werden besonders verständlich, wenn technische Entwicklungen aus mehreren Rollen betrachtet werden und dadurch Zielkonflikte, Wertvorstellungen und kulturell geprägte Sichtweisen konkret erfahrbar werden. Die Klasse bearbeitet ein gemeinsames Ausgangsbeispiel, etwa den Bau eines großen Windparks, die Einführung einer Gesundheits-App oder den verstärkten Einsatz digitaler Überwachung im öffentlichen Raum. Jede Gruppe übernimmt eine Rolle, beispielsweise Anwohnerinnen und Anwohner, Umweltorganisation, Gemeindepolitik, Unternehmen, Jugendliche, ältere Menschen oder Landwirte. Aus der jeweiligen Perspektive erarbeiten die Lernenden Chancen, Sorgen, Bedürfnisse und Bedingungen für Zustimmung. Danach findet eine moderierte Diskussion oder Gemeinderatssitzung statt. Besonders wirksam ist die Aufgabe, weil die Schülerinnen und Schüler nicht nur argumentieren, sondern auch erkennen, dass technische Lösungen je nach Lebenslage unterschiedlich bewertet werden. Im Anschluss halten sie schriftlich fest, welche Argumente sie überzeugend fanden und welche Wechselwirkungen zwischen Technik, Umwelt, Wirtschaft und Alltag sichtbar wurden. Rollen: Anwohner, Unternehmen, Politik, Umweltgruppe Sozialform: Gruppenarbeit, Diskussion Material: Rollenkarte, Infoblatt, Moderationsbogen Kompetenzen: argumentieren, abwägen, urteilen, reflektieren Produkte: Stellungnahme, Debatte

1.4.3 Medienberichte untersuchen

Die Analyse von Medienberichten schärft den Blick dafür, dass technische Entwicklungen nicht neutral wahrgenommen werden, sondern durch Sprache, Bildauswahl und

Schwerpunktsetzung unterschiedlich dargestellt und gesellschaftlich bewertet werden. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen drei verschiedene Medienbeiträge zu einem technischen Thema, etwa zur künstlichen Intelligenz in der Pflege, zu E-Mobilität oder zu digitaler Landwirtschaft. Die Beiträge können aus Zeitung, Onlinemedium, Video oder Infografik stammen. Zunächst markieren die Lernenden zentrale Aussagen, positive und negative Begriffe sowie Hinweise auf betroffene Gruppen. Danach untersuchen sie, welche Aspekte hervorgehoben und welche vernachlässigt werden. Leitfragen können sein: Wird vor allem der Nutzen betont oder eher das Risiko? Welche Menschen kommen zu Wort? Fehlen ökologische oder soziale Folgen? Gibt es kulturelle Vorannahmen? Die Ergebnisse werden in einer Tabelle gesichert und danach im Plenum diskutiert. Diese Aufgabe ist lernwirksam, weil sie Sachanalyse mit Medienkritik verbindet und den Kompetenzbereich Orientierung unmittelbar stärkt. Medienformen: Artikel, Video, Grafik Arbeitsschritte: markieren, ordnen, vergleichen, auswerten Kompetenzen: analysieren, hinterfragen, beurteilen, reflektieren Produkte: Medientabelle, Kurzfazit

1.4.4 Technikfolgen im Umfeld erforschen

Die Untersuchung des eigenen Lebensumfelds erhöht die Bedeutsamkeit des Themas, weil technische Anwendungen direkt beobachtet, dokumentiert und anschließend mit gesellschaftlichen und ökologischen Fragestellungen verbunden werden. Die Lernenden erkunden schulnah oder im häuslichen Umfeld konkrete Anwendungen von Technik, zum Beispiel Ladestationen, Videoüberwachung, digitale Fahrgastanzeigen, Mülltrennsysteme, Heizungssteuerungen, Lieferdienste oder Gesundheitsapps. In Zweierteams dokumentieren sie ein Beispiel mit Notizen, Skizzen oder Fotos und beantworten dazu einen Forschungsbogen: Welchen Zweck erfüllt die Technik? Welche Umweltwirkung ist erkennbar? Wer nutzt sie? Wer kann sie nicht oder nur eingeschränkt nutzen? Welche Kosten, Ressourcen oder Daten sind beteiligt? Im Unterricht werden die Ergebnisse auf einer Wandzeitung, einer digitalen Pinnwand oder einer Karte gesammelt. Durch die Verbindung aus Beobachtung, Dokumentation und Deutung erkennen die Schülerinnen und Schüler Technik als Teil ihrer eigenen Lebenswelt und lernen, abstrakte Begriffe an konkreten Situationen festzumachen. Orte: Schule, Bahnhof, Supermarkt, Wohnumfeld Methoden: beobachten, dokumentieren, auswerten, präsentieren Kompetenzen: erkennen, zuordnen, beschreiben, übertragen Produkte: Forschungsbogen, Pinnwand

1.4.5 Ursache-Wirkungs-Ketten erstellen

Komplexe Zusammenhänge zwischen Technik, Umwelt und Gesellschaft werden besser verstanden, wenn Folgen nicht isoliert genannt, sondern als miteinander verbundene Ketten, Rückwirkungen und Zielkonflikte sichtbar gemacht werden. Ausgehend von einem technischen Beispiel, etwa dem Smartphone, dem E-Auto, der

Smartwatch oder dem Onlinehandel, erstellen die Schülerinnen und Schüler eine Ursache- Wirkungs-Kette. Sie beginnen mit der Frage, welche technische Anwendung im Mittelpunkt steht, und arbeiten dann schrittweise heraus, welche Rohstoffe, Energien, Datenflüsse, Verhaltensänderungen und Umweltfolgen damit verbunden sind. Beim Smartphone könnten beispielsweise Rohstoffabbau, Produktion, Transport, Nutzung, Stromverbrauch, Datenspeicherung, Entsorgung und soziale Folgen in Lieferketten thematisiert werden. Wichtig ist, dass positive und problematische Aspekte gleichermaßen erfasst werden. Die Visualisierung erfolgt als Pfeildiagramm oder Konzeptkarte. Im Anschluss erläutern die Lernenden, an welcher Stelle gesellschaftliche Gruppen unterschiedlich betroffen sind und wie kulturelle Gewohnheiten den Umgang mit Technik beeinflussen. Diese Aufgabe stärkt vernetztes Denken und hilft besonders beim Benennen von Wechselwirkungen. Beispiele: Smartphone, E-Auto, Onlinehandel, Smartwatch Darstellungen: Pfeilkette, Mindmap, Konzeptkarte Kompetenzen: verknüpfen, strukturieren, erklären, reflektieren Produkte: Wirkungsbild, Erläuterung

1.4.6 Lösungsansätze bewerten

Die bewusste Bewertung unterschiedlicher Lösungswege fördert verantwortungsvolles Urteilen, weil technische Möglichkeiten nicht automatisch als Fortschritt gelten, sondern im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Alltagstauglichkeit geprüft werden. Die Klasse erhält eine Problemstellung, etwa hohe Verkehrsbelastung vor der Schule, steigender Energieverbrauch im Schulgebäude oder digitale Ausgrenzung einzelner Lernender. In Gruppen entwickeln die Schülerinnen und Schüler mindestens zwei technische und zwei nichttechnische Lösungsansätze. Danach bewerten sie diese mit festgelegten Kriterien, zum Beispiel Umweltwirkung, Kosten, soziale Gerechtigkeit, Umsetzbarkeit, Datenschutz und Akzeptanz in unterschiedlichen Gruppen. Die Kriterien werden in einer Bewertungsmatrix gewichtet. Anschließend begründen die Gruppen, welche Lösung sie empfehlen und welche Nebenwirkungen berücksichtigt werden müssen. Besonders lernwirksam ist diese Aufgabe, weil sie Sachwissen, Bewertungskompetenz und gesellschaftliche Verantwortung zusammenführt und deutlich macht, dass Technik allein selten alle Probleme löst. Kriterien: Kosten, Umweltwirkung, Datenschutz, Akzeptanz Sozialform: Gruppenarbeit, Plenum Kompetenzen: bewerten, begründen, entscheiden, verantworten Produkte: Matrix, Empfehlung

1.4.7 Reflexionsaufgabe zum Abschluss

Eine abschließende Reflexion sichert die fachlichen Ergebnisse, vertieft persönliche Einsichten und unterstützt die Lernenden dabei, ihre eigene Haltung zu Technik, Digitalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung sprachlich klar zu formulieren. Zum Abschluss verfassen die Schülerinnen und Schüler einen kurzen Reflexionstext oder nehmen an einem strukturierten Schreibgespräch teil. Mögliche Impulse sind: Welche technische Anwendung halte ich für gesellschaftlich besonders hilfreich? Wo sehe ich Risiken?

Welche Gruppe wird bei technischen Entwicklungen oft zu wenig beachtet? Welche Wechselwirkung zwischen Technik und Umwelt hat mich besonders überrascht? Welche Rolle spielen Medien dabei, wie wir Technik wahrnehmen? Die Antworten können zunächst individuell notiert und anschließend in Partnerarbeit besprochen werden. Dadurch wird nicht nur Wissen gesichert, sondern auch die Fähigkeit gestärkt, Beobachtungen zu deuten und begründet Stellung zu beziehen. Impulse: Nutzen, Risiken, Gruppen, Folgen Formen: Schreibgespräch, Reflexionstext Kompetenzen: formulieren, deuten, bewerten, reflektieren Produkte: Text, Gesprächsbeitrag

Grundlage: Digitale Grundbildung III – Lehrband 3. Klasse, Final V2.5.