DGB 4: Technische Konfigurationen und informationelle Selbstbestimmung
18.1 Lernziele
- erklären, wie technische Konfigurationen Nutzungsmöglichkeiten lenken und einschränken.
- erkennen, dass Voreinstellungen und Benutzeroberflächen nicht neutral sind.
- Datenschutzeinstellungen auf Geräten, Plattformen und Apps bewusst prüfen und anpassen.
- Zugriffsberechtigungen für Kamera, Mikrofon, Standort und Kontakte kritisch beurteilen.
- den Einfluss von Algorithmen, Personalisierung und Empfehlungen auf die eigene Wahrnehmung beschreiben.
- zwischen privaten und öffentlichen digitalen Räumen unterscheiden.
- den eigenen digitalen Fußabdruck reflektieren.
- sichere Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Updates als Schutzmaßnahmen einsetzen.
- datenschutzfreundliche Dienste und Alternativen begründet auswählen.
- Vorkehrungen für Eigenständigkeit und informationelle Selbstbestimmung im digitalen Alltag treffen.
18.2 Lerninhalte
Die Lerninhalte zeigen, dass technische Konfigurationen nicht nur Komfort und Funktionalität betreffen, sondern auch Sichtbarkeit, Entscheidungsräume, Datennutzung und Wahrnehmung steuern, weshalb bewusste Einstellungen ein zentraler Bestandteil digitaler Selbstbestimmung sind.
Voreinstellungen sind nicht neutral
Voreinstellungen und Benutzeroberflächen prägen digitale Entscheidungen oft schon vor der ersten bewussten Handlung, weil sie bestimmte Optionen hervorheben, vereinfachen oder verbergen und dadurch Verhalten lenken, ohne dass dieser Einfluss sofort auffällt. Viele Apps und Plattformen starten mit bereits gesetzten Optionen. Ein Profil ist vielleicht öffentlich sichtbar, Standortfreigaben sind aktiv oder personalisierte Werbung bleibt
eingeschaltet. Solche Standardeinstellungen wirken bequem, fördern aber oft genau die Nutzungsweisen, die für Plattformen wirtschaftlich oder technisch vorteilhaft sind. Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass „Standard“ nicht automatisch „gut für mich“ bedeutet. Beispiele: öffentliches Profil, aktive Ortung, Lesebestätigung, Werbetracking, Autoplay, Synchronisierung Lenkungseffekte: Bequemlichkeit, Sichtbarkeit, Datenteilung, Gewohnheit, Abhängigkeit, Anpassung
Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken
Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken entscheiden wesentlich darüber, wer Inhalte sehen, weiterverbreiten oder mit persönlichen Informationen verknüpfen kann, weshalb ihre bewusste Konfiguration eine zentrale Voraussetzung für informationelle Selbstbestimmung darstellt. Plattformen wie Instagram oder Facebook bieten Einstellungen für Sichtbarkeit, Markierungen, Kontaktanfragen und Profilinformationen. Wer diese nicht anpasst, gibt häufig mehr preis als beabsichtigt. Ein offenes Profil kann über Suchmaschinen gefunden werden, Fotos können leichter weiterverbreitet werden, und persönliche Angaben werden für viele Menschen sichtbar. Durch bewusstes Begrenzen der Sichtbarkeit gewinnen Nutzerinnen und Nutzer mehr Kontrolle über ihre Inhalte und ihr Publikum zurück. Einstellungsfelder: Profil, Beiträge, Markierungen, Story, Kontakte, Suchbarkeit Schutzoptionen: privat stellen, einschränken, blockieren, prüfen, freigeben, verbergen
Berechtigungen und Zugriffe auf Geräten und in Apps
App-Berechtigungen wirken oft unscheinbar, entscheiden aber darüber, welche Daten und Sensoren dauerhaft genutzt werden dürfen, weshalb ihre kritische Prüfung hilft, unnötige Datenerfassung und ungewollte Eingriffe in die Privatsphäre zu begrenzen. Viele Anwendungen verlangen Zugriff auf Kamera, Mikrofon, Standort, Kontakte oder Dateien. Nicht jede Freigabe ist technisch notwendig. Eine Taschenlampen-App braucht keine Kontakte, und eine Spiel-App benötigt oft keinen dauerhaften Standortzugriff. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Berechtigungen nicht routinemäßig zu akzeptieren, sondern zu prüfen, zu begrenzen und regelmäßig zu kontrollieren. Genau dadurch stärken sie ihre Eigenständigkeit gegenüber Plattformlogiken und Datensammelpraxen. Berechtigungen: Kamera, Mikrofon, Standort, Kontakte, Dateien, Bluetooth Prüffragen: wirklich nötig, wann aktiv, dauerhaft nötig, alternativ möglich, Risiko hoch, Zugriff entziehen
Algorithmen, Personalisierung und Filterung
Algorithmen und datengetriebene Personalisierung beeinflussen, welche Inhalte sichtbar werden, weil sie Informationen vorsortieren, Empfehlungen anpassen und dadurch
Wahrnehmung, Entscheidungen und Handlungsmöglichkeiten subtil mitgestalten. Empfehlungssysteme wählen Nachrichten, Werbung, Videos oder Produkte nicht zufällig aus. Sie orientieren sich an bisherigen Klicks, Verweildauer, Suchverhalten und weiteren Nutzungsdaten. Das kann praktisch wirken, schränkt aber zugleich Vielfalt ein und lenkt Aufmerksamkeit. Wer bestimmte Themen oft sieht, nimmt sie leichter als normal, wichtig oder alternativlos wahr. Deshalb gehört zur informationellen Selbstbestimmung auch die kritische Reflexion darüber, wie Inhalte kuratiert und gefiltert werden. Einflussfaktoren: Klicks, Likes, Verlauf, Verweildauer, Suchmuster, Profiling Folgen: Einseitigkeit, Gewohnheit, Bestätigung, Filterblase, Werbedruck, Wahrnehmungslenkung
Datenschutzfreundliche Werkzeuge und Alternativen
Eigenständigkeit im digitalen Raum wächst, wenn nicht nur einzelne Einstellungen angepasst, sondern auch bewusst Dienste gewählt werden, die Datensparsamkeit, Transparenz und Nutzerkontrolle stärker unterstützen als stark datengetriebene Standardangebote. Das Lehrband nennt datenschutzfreundliche Suchmaschinen, Browser-Tools, VPNs, Ende-zu- Ende-verschlüsselte Messenger und Open-Source-Software als wichtige Handlungsmöglichkeiten. Solche Alternativen können Tracking reduzieren, Suchanfragen weniger umfassend speichern, Kommunikation besser absichern oder nachvollziehbarer machen, wie Daten verarbeitet werden. Entscheidend ist nicht, jedes Standardtool abzulehnen, sondern zu verstehen, dass Auswahl selbst bereits eine Form digitaler Selbstbestimmung ist. Alternativen: Datenschutzsuche, VPN, Signal, Browser-Tools, Open Source, Werbeblocker Schutzziele: Datensparsamkeit, Transparenz, Vertraulichkeit, Kontrolle, Vielfalt, Unabhängigkeit
Digitale Fußabdrücke und öffentliche Räume
Die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen digitalen Räumen ist für selbstbestimmtes Handeln entscheidend, weil Informationen in vernetzten Umgebungen oft länger sichtbar, leichter kopierbar und in neuen Zusammenhängen wiederverwendbar werden können. Ein Klassenchat wirkt zunächst privat, kann aber durch Screenshots, Weiterleitungen oder unklare Gruppenregeln schnell halböffentlich werden. Beiträge in sozialen Netzwerken, Kommentare unter Videos oder Profilangaben auf Plattformen hinterlassen dauerhafte Spuren. Schülerinnen und Schüler sollen verstehen, dass ihre digitalen Fußabdrücke Auswirkungen auf Privatsphäre, Sicherheit und spätere Wahrnehmung haben können. Informationelle Selbstbestimmung bedeutet daher auch, bewusst zu entscheiden, was überhaupt veröffentlicht werden sollte. Räume: privat, halböffentlich, öffentlich, schulisch, sozial, plattformbasiert Spuren: Post, Kommentar, Profilinfo, Standort, Suchverlauf, Screenshot
Sicherheit durch Updates, Passwörter und Zwei -Faktor-Schutz
Technische Eigenständigkeit umfasst nicht nur Auswahl und Privatsphäre-Einstellungen, sondern auch laufende Schutzmaßnahmen, weil veraltete Software, schwache Passwörter und fehlende Zusatzsicherung digitale Abhängigkeit und Fremdzugriffe deutlich begünstigen können. Regelmäßige Software-Updates schließen Sicherheitslücken und verbessern oft Datenschutzfunktionen. Starke Passwörter und Passwortmanager helfen, Konten vor Übernahmen zu schützen. Zwei-Faktor-Authentifizierung erschwert unbefugten Zugriff zusätzlich. Diese Maßnahmen erscheinen oft technisch, sind aber praktisch gelebte Selbstbestimmung: Wer den Zugang zu eigenen Geräten und Konten absichert, schützt Handlungsspielräume und persönliche Daten zugleich. Schutzmittel: Update, starkes Passwort, Passwortmanager, Zwei-Faktor, Sperre, Wiederherstellung Risiken ohne Schutz: Kontoübernahme, Datendiebstahl, Manipulation, Kontrollverlust, Missbrauch, Abhängigkeit
Open Source, Transparenz und Kontrolle
Transparenz über Software und Datenverarbeitung stärkt Selbstbestimmung, weil nachvollziehbarer wird, wie Programme arbeiten, welche Daten sie benötigen und ob Nutzerinnen und Nutzer versteckte Abhängigkeiten oder Eingriffe besser erkennen können. Open-Source-Software wird im Lehrband ausdrücklich als Möglichkeit genannt, versteckte Hintertüren oder problematische Datenverarbeitung kritischer zu betrachten. Für den Unterricht ist wichtig: Nicht jede offene Software ist automatisch besser, aber Transparenz schafft grundsätzlich mehr Prüf- und Entscheidungsmöglichkeiten. Wer versteht, dass technische Systeme unterschiedlich offen oder geschlossen sind, kann bewusster einschätzen, wo Kontrolle eher bei Unternehmen und wo stärker bei den Nutzerinnen und Nutzern liegt. Kontrollaspekte: Quellcode, Transparenz, Nachprüfbarkeit, Wahlfreiheit, Unabhängigkeit, Vertrauen Abwägungen: Komfort, Offenheit, Datenschutz, Gewohnheit, Kontrolle, Verantwortung
Ethische und gesellschaftliche Dimensionen
Technische Konfigurationen betreffen nicht nur Einzelentscheidungen, sondern auch gesellschaftliche Fragen, weil Einstellungen, Algorithmen und Plattformarchitekturen Verhalten prägen und damit Einfluss auf Freiheit, Teilhabe, Wahrnehmung und Verantwortung im digitalen Miteinander nehmen. Wer eine Voreinstellung übernimmt, handelt nicht nur technisch, sondern oft auch normativ mit: Soll Personalisierung akzeptiert werden, obwohl sie Vielfalt einschränken kann? Ist eine Plattform sinnvoll, wenn sie Aufmerksamkeit und Daten maximal auswertet? Welche Verantwortung besteht gegenüber anderen, wenn man Inhalte öffentlich macht oder
Einstellungen in Gruppen nicht reflektiert? Solche Fragen verbinden digitale Selbstbestimmung mit Ethik, Demokratie und sozialem Handeln. Reflexionsfelder: Freiheit, Kontrolle, Verantwortung, Fairness, Vielfalt, Abhängigkeit Leitfragen: Wer entscheidet, Wem nützt, Was wird gelenkt, Was wird verborgen, Was kann ich ändern, Was sollte ich lassen
18.4 Aufgaben für den Unterricht
18.4.1 Voreinstellungen entlarven
Der Vergleich von Standardoptionen mit bewusst angepassten Einstellungen macht besonders anschaulich, wie stark technische Konfigurationen Verhalten vorstrukturieren, weil Komfort, Sichtbarkeit und Datenteilung oft schon vor der ersten eigenständigen Entscheidung festgelegt werden. Die Lehrkraft stellt Screenshots oder Testgeräte mit voreingestellten Profilen, Apps oder Browsern bereit. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen, welche Funktionen bereits aktiviert sind, etwa Standortfreigabe, personalisierte Werbung, Lesebestätigung, Autoplay oder öffentliche Sichtbarkeit. Danach bewerten sie, wem diese Voreinstellungen eher nützen und welche Folgen sie für Privatsphäre, Aufmerksamkeit und Handlungsfreiheit haben können. In einer zweiten Phase entwickeln sie eine bewusst datensparsame Gegenkonfiguration und begründen jede Änderung. So wird sichtbar, dass Standards nicht neutral, sondern lenkend wirken. Sozialform: Partnerarbeit, Plenum
Material: Screenshots, Testgeräte, Analysebogen Schritte: prüfen, markieren, bewerten, ändern, begründen Fokus: Voreinstellung, Lenkung, Datenteilung Ergebnis: Vergleichsbogen, Gegenprofil
18.4.2 Mein Gerät, meine Berechtigungen
Die systematische Prüfung von App-Berechtigungen fördert hohe Handlungssicherheit, weil Schülerinnen und Schüler an realistischen Beispielen erleben, wie Zugriffe auf Kamera, Mikrofon, Standort oder Kontakte ihren digitalen Handlungsspielraum und ihre Privatsphäre konkret beeinflussen. Die Lernenden erhalten eine Liste typischer Apps oder arbeiten auf vorbereiteten Geräten. Sie kontrollieren für jede Anwendung, welche Berechtigungen aktiviert sind, und ordnen diese in sinnvoll, fraglich oder unnötig ein. Anschließend passen sie Berechtigungen so an, dass nur notwendige Zugriffe bestehen bleiben. In der Sicherung diskutiert die Klasse, wie technische Entscheidungen über Freigaben nicht nur Daten schützen, sondern auch Werbung, Profilbildung und Überwachung begrenzen können. Die Aufgabe wirkt besonders nachhaltig, weil sie direkt in alltagsrelevantes Verhalten übergeht. Sozialform: Einzelarbeit, Austausch Material: Testgeräte, App-Liste, Prüfbogen Schritte: kontrollieren, zuordnen, anpassen, diskutieren, sichern Fokus: Berechtigung, App-Zugriff, Privatsphäre Ergebnis: Prüfprotokoll, Schutzliste
18.4.3 Zwei Feeds, zwei Wirklichkeiten
Die Analyse unterschiedlich konfigurierter Feeds zeigt besonders eindrücklich, wie technische Personalisierung Wahrnehmung lenkt, weil identische Plattformen je nach Verlauf, Interessenprofil und Voreinstellungen sehr verschiedene Wirklichkeiten, Prioritäten und Deutungsmuster erzeugen können. Die Lehrkraft gibt zwei oder mehr fiktive Nutzerprofile mit unterschiedlichem Such- und Klickverhalten vor. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben, welche Inhalte diese Profile wahrscheinlich besonders oft sehen würden und welche Themen dadurch in den Hintergrund geraten. Danach reflektieren sie, wie Empfehlungen, Ranking und Personalisierung nicht nur Auswahl erleichtern, sondern Vielfalt einschränken können. Abschließend formulieren sie Maßnahmen für mehr Eigenständigkeit, etwa Suchverlauf löschen, Benachrichtigungen reduzieren, andere Quellen ergänzen oder Personalisierung begrenzen. Sozialform: Gruppenarbeit, Diskussion Material: Profilkarten, Feed-Beispiele, Tafel Schritte: zuordnen, beschreiben, vergleichen, reflektieren, ableiten Fokus: Feed, Algorithmus, Wahrnehmung Ergebnis: Profilanalyse, Maßnahmenliste
18.4.4 Öffentlich oder geschützt
Die Unterscheidung zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen digitalen Räumen stärkt informationelle Selbstbestimmung, weil Schülerinnen und Schüler erkennen, wie technische Konfigurationen Sichtbarkeit, Weiterverbreitung und Kontrolle über eigene Inhalte entscheidend mitbestimmen. Die Klasse arbeitet mit Fallkarten zu Klassenchat, Story, Cloudordner, Videokonferenz, Kommentarspalte oder Schulplattform. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden, wie sichtbar Inhalte dort jeweils sind, welche technischen Freigaben dazugehören und welche Risiken durch Screenshots, Weiterleitungen oder Suchbarkeit entstehen. In einer zweiten Phase ordnen sie passende Schutzmaßnahmen zu, etwa Gruppenregeln, private Profile, Freigabebeschränkungen oder Verzicht auf sensible Inhalte. Die Aufgabe verbindet Alltagsbezug mit genauer Reflexion über Reichweite und Kontrollverlust. Sozialform: Partnerarbeit, Plenum Material: Fallkarten, Raumskala, Zuordnungsblatt Schritte: einordnen, begründen, zuweisen, vergleichen, sichern Fokus: Sichtbarkeit, Reichweite, Kontrolle Ergebnis: Raumskala, Schutzzuordnung
18.4.5 Datenschutzfreundlich umstellen
Die bewusste Umstellung eines Systems auf datensparsame Konfigurationen erzeugt einen besonders hohen Lerneffekt, weil aus theoretischem Datenschutzwissen konkrete Handlungen werden, die direkt auf Browser, Suchmaschine, Messenger oder Plattformkonto übertragbar sind. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, ein vorbereitetes Gerät oder Profil möglichst datenschutzfreundlich zu konfigurieren. Dazu gehören etwa Standardsuchmaschine ändern, Autoplay deaktivieren, Werbe-Tracking einschränken, Standortzugriff beschränken, Synchronisierung prüfen und Zwei-Faktor-Schutz aktivieren. Danach dokumentieren sie ihre Änderungen mit kurzer Begründung und ordnen jeder Maßnahme ein Schutzziel zu. In der Auswertung wird sichtbar, dass Eigenständigkeit nicht im vollständigen Verzicht, sondern in bewusstem Umstellen und Auswählen liegt. Sozialform: Partnerarbeit Material: Testprofil, Einstellungsblatt, Rechner Schritte: prüfen, umstellen, dokumentieren, zuordnen, vergleichen Fokus: Konfiguration, Datenschutz, Selbstschutz Ergebnis: Änderungsprotokoll, Schutzziele
18.4.6 Was lenkt mich hier
Die Analyse von Benutzeroberflächen fördert kritische Technikkompetenz, weil Schülerinnen und Schüler an Menüs, Buttons, Farbhervorhebungen und Zustimmungsfenstern erkennen, wie Gestaltung technische Entscheidungen vorbereitet und bestimmte Optionen attraktiver oder
leichter auswählbar macht. Die Lehrkraft zeigt mehrere Oberflächen, etwa Cookie-Banner, Registrierungsfenster, Empfehlungsseiten oder App-Setups. Die Schülerinnen und Schüler markieren, welche Optionen groß, bunt, schnell oder bequem erreichbar sind und welche Alternativen versteckt oder erschwert wirken. Anschließend formulieren sie, welche Entscheidung jeweils wahrscheinlich gelenkt werden soll und wie sie sich bewusst dagegen oder dafür entscheiden können. Die Aufgabe stärkt Wahrnehmung für sogenannte Nudges und für die Macht scheinbar kleiner Designentscheidungen. Sozialform: Gruppenarbeit, Sicherung Material: Screenshots, Marker, Analyseblatt Schritte: beobachten, markieren, deuten, benennen, besprechen Fokus: Oberfläche, Nudge, Entscheidung Ergebnis: Oberflächenanalyse, Leitfragen
18.4.7 Technikproblem systematisch lösen
Die Zuordnung technischer Probleme zu passenden Einstellungen und Schichten unterstützt verantwortungsvolles Handeln, weil Schülerinnen und Schüler lernen, bei Störungen nicht wahllos zu klicken, sondern Konfigurationen gezielt zu prüfen und begründet zu verändern. Die Lehrkraft gibt Problemszenarien vor, etwa „Mikrofon funktioniert nicht“, „App zeigt ständig Werbung“, „Konto ist öffentlich sichtbar“ oder „Browser merkt sich alles“. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln für jeden Fall einen Prüfpfad: Welche Einstellung könnte verantwortlich sein, welche Änderung wäre sinnvoll, welche Risiken bestehen bei unüberlegter Veränderung? Danach vergleichen sie ihre Lösungswege und formulieren Regeln für systematisches, selbstständiges Vorgehen. So wird technisches Wissen direkt in Handlungskompetenz übersetzt. Sozialform: Gruppenarbeit, Plenum Material: Szenariokarten, Entscheidungsblatt Schritte: analysieren, prüfen, planen, vergleichen, formulieren Fokus: Problem, Einstellung, Handlung Ergebnis: Prüfpfad, Regelblatt
18.4.8 Selbstbestimmung im Vergleich
Der Vergleich verschiedener Dienste nach Transparenz, Kontrolle und Datensparsamkeit vertieft Urteilsfähigkeit, weil Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Selbstbestimmung nicht nur von eigenem Verhalten, sondern auch von der Wahl der technischen Umgebung abhängt. Die Lernenden vergleichen zwei oder mehr Dienste derselben Kategorie, etwa Messenger, Suchmaschinen oder Cloudangebote. Bewertet werden Kriterien wie Werbetracking, Freigaben, Sichtbarkeit, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Kontrollebenen und Verständlichkeit der Datenschutzeinstellungen. Anschließend formulieren die Gruppen ein begründetes Urteil, welches Angebot mehr Eigenständigkeit ermöglicht und an welchen Stellen trotzdem Vorsicht nötig bleibt. Die Aufgabe macht deutlich, dass technische Optionen politische und persönliche
Konsequenzen haben können. Sozialform: Gruppenarbeit, Präsentation Material: Vergleichsraster, Dienstprofile, Rechner Schritte: vergleichen, bewerten, gewichten, begründen, vorstellen Fokus: Dienstwahl, Transparenz, Kontrolle Ergebnis: Bewertungsraster, Urteil
18.4.9 Persönlichen Schutzplan erstellen
Die Entwicklung eines individuellen Schutzplans sorgt für nachhaltigen Transfer, weil Schülerinnen und Schüler das Gelernte auf ihre eigenen Geräte, Konten und Gewohnheiten anwenden und daraus konkrete, überprüfbare Vorkehrungen für mehr informationelle Selbstbestimmung ableiten. Jede Schülerin und jeder Schüler erstellt einen kurzen persönlichen Maßnahmenplan mit Bereichen wie Kontosicherheit, Profilsichtbarkeit, App-Berechtigungen, Suchverhalten, Passwörter, Updates und Messengerwahl. Zu jedem Bereich wird festgehalten, was bereits gut geregelt ist, was verbessert werden soll und welche konkrete Handlung als Nächstes erfolgt. Einige Tage oder Wochen später kann eine Rückschau stattfinden, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden. Diese Aufgabe stärkt Eigenverantwortung und macht Selbstbestimmung als fortlaufende Praxis sichtbar. Sozialform: Einzelarbeit, Austausch Material: Schutzplan-Vorlage, Heft Schritte: prüfen, einschätzen, planen, priorisieren, nachverfolgen Fokus: Alltag, Selbstschutz, Umsetzung Ergebnis: Schutzplan, Fortschrittsnotiz
18.4.10 Debatte zu Freiheit und Komfort
Die argumentative Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Bequemlichkeit, Personalisierung und Selbstbestimmung fördert besonders tiefes Lernen, weil technische Konfigurationen nicht nur funktional, sondern auch ethisch und gesellschaftlich beurteilt werden müssen. Die Klasse diskutiert Leitfragen wie: Ist personalisierte Voreinstellung eher Hilfe oder Lenkung? Wie viel Komfort bin ich bereit für mehr Datenschutz aufzugeben? Wann wird Bequemlichkeit zur Abhängigkeit? Die Schülerinnen und Schüler bereiten in Gruppen verschiedene Perspektiven vor, etwa Nutzerkomfort, Unternehmensinteresse, Datenschutz oder demokratische Vielfalt, und bringen diese in eine strukturierte Debatte ein. Abschließend entsteht ein gemeinsamer Kriterienkatalog für verantwortungsvolle technische Entscheidungen im Alltag. Sozialform: Gruppenarbeit, Debatte Material: Leitfragen, Argumentkarten, Tafel Schritte: vorbereiten, vertreten, abwägen, verdichten, sichern Fokus: Freiheit, Komfort, Verantwortung
Ergebnis: Debattenprotokoll, Kriterienkatalog
18.4.11 Screenshot-Check zur Selbstbestimmung
Die Arbeit mit realistischen Einstellungs-Screenshots verbindet Wahrnehmung und Anwendung besonders wirksam, weil Schülerinnen und Schüler direkt an Menüs, Optionen und Freigaben üben, ohne auf private Konten oder sensible Daten zurückgreifen zu müssen. Die Lehrkraft stellt Screenshots von Einstellungen aus Browsern, Apps, Smartphones oder Plattformen bereit. Die Schülerinnen und Schüler markieren datenschutzfreundliche und riskante Konfigurationen, erklären die wahrscheinlichen Folgen und notieren jeweils eine bessere Alternative. Danach ordnen sie die Screenshots den Bereichen Sichtbarkeit, Tracking, Sicherheit, Kommunikation oder Personalisierung zu. Die Aufgabe eignet sich besonders zur Festigung, weil viele konkrete Mikroentscheidungen in kurzer Zeit sichtbar werden. Sozialform: Partnerarbeit Material: Screenshots, Farbstifte, Analysebogen Schritte: markieren, erklären, verbessern, ordnen, sichern Fokus: Screenshot, Einstellung, Wirkung Ergebnis: Analysebogen, Verbesserungen
18.4.12 Rückblick auf das eigene Nutzungsverhalten
Die abschließende Reflexion erhöht die Nachhaltigkeit des Lernens, weil Schülerinnen und Schüler technische Konfigurationen nicht nur bei anderen erkennen, sondern ihre eigenen digitalen Routinen, Abhängigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten bewusster wahrnehmen und einordnen. Zum Abschluss schreiben die Lernenden eine kurze Reflexion zu der Frage, an welcher Stelle ihr digitales Verhalten zuletzt durch eine Voreinstellung, Empfehlung oder technische Standardlösung beeinflusst wurde. Danach benennen sie, was sie daran künftig bewusster prüfen möchten und welche konkrete Einstellung oder Auswahlentscheidung sie ändern wollen. Im freiwilligen Austausch werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. So wird aus Technikreflexion ein persönlicher Handlungsvorsprung. Sozialform: Einzelarbeit, Austausch Material: Reflexionsbogen, Heft Schritte: erinnern, beschreiben, einordnen, ableiten, teilen Fokus: Selbstreflexion, Einfluss, Veränderung Ergebnis: Reflexionstext, Vorhaben
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Grundlage: Digitale Grundbildung IV – Lehrband 4. Klasse, Final V2.0.